Lerntipps für objektorientierte Programmierung
Objektorientierte Programmierung ist kein Hexenwerk. Aber ehrlich gesagt – am Anfang kann es sich so anfühlen. Wenn du gerade erst anfängst oder schon mittendrin steckst und merkst, dass die Konzepte irgendwie nicht richtig klicken wollen, bist du hier genau richtig.
Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe: Die meisten Stolpersteine haben wenig mit mangelnder Intelligenz zu tun. Es geht eher darum, wie du lernst und welche mentalen Modelle du dir aufbaust. Manche Ansätze funktionieren einfach besser als andere.
Praktische Strategien, die tatsächlich helfen
Zeichne deine Klassen auf Papier
Klingt altmodisch? Funktioniert aber. Bevor du auch nur eine Zeile Code schreibst, skizziere die Beziehungen zwischen deinen Klassen. Vererbung, Komposition, Abhängigkeiten – alles wird klarer, wenn du es visuell vor dir siehst.
Baue winzige Projekte
Tutorials durcharbeiten ist okay, aber das Wissen bleibt nicht hängen. Nimm stattdessen ein Mini-Projekt – vielleicht eine Bibliotheksverwaltung oder ein einfaches Kartenspiel. Wenn du selbst entscheidest, welche Klassen du brauchst, lernst du zehnmal mehr.
Erkläre Konzepte laut
Teste dein Verständnis, indem du jemandem erklärst, was Polymorphismus bedeutet. Oder sprich einfach mit dir selbst beim Programmieren. Sobald du etwas in eigenen Worten formulieren kannst, weißt du: Es sitzt.
Code mehrmals lesen, nicht nur einmal
Fremden Code zu verstehen ist eine unterschätzte Fähigkeit. Such dir Open-Source-Projekte, die objektorientiert aufgebaut sind, und lies den Code wie ein Buch. Nicht überfliegen – wirklich lesen und verstehen, warum die Entwickler bestimmte Entscheidungen getroffen haben.
Beim ersten Durchgang verstehst du vielleicht nur 30%. Das ist normal. Beim zweiten Mal sind es schon 60%. Und irgendwann erkennst du Muster, die du in deinem eigenen Code anwenden kannst.
Konkrete Szenarien aus der Praxis
Vererbung vs. Komposition verstehen
Viele Anfänger übertreiben es mit Vererbung. Die Faustregel: Wenn Klasse B wirklich eine spezialisierte Version von Klasse A ist, dann Vererbung. Wenn B einfach nur Funktionalität von A nutzt, dann Komposition. Ein Auto „ist ein" Fahrzeug (Vererbung), aber ein Auto „hat einen" Motor (Komposition).
Interfaces richtig einsetzen
Interfaces definieren Verträge. Wenn verschiedene Klassen ähnliche Aktionen ausführen müssen, aber unterschiedlich implementiert sind, ist ein Interface perfekt. Ein Drucker und ein PDF-Generator können beide ein „Druckbar"-Interface implementieren, obwohl die Umsetzung komplett anders aussieht.
Fehler gehören dazu – mach sie produktiv
Jeder macht Fehler beim Lernen von OOP. Der Trick ist, aus ihnen zu lernen. Wenn dein Code nicht funktioniert oder die Struktur merkwürdig wird, frag dich: Warum? Oft liegt es daran, dass Verantwortlichkeiten nicht klar getrennt sind oder Klassen zu viel auf einmal machen.
Refactoring ist dein Freund. Nimm dir Zeit, Code umzuschreiben, wenn du merkst, dass etwas nicht passt. Das ist keine Zeitverschwendung – das ist aktives Lernen.
Perspektive von jemandem, der den Weg gegangen ist
Als ich 2019 mit objektorientierter Programmierung angefangen habe, wollte ich alles perfekt machen. Das war ein Fehler. Ich habe Wochen damit verbracht, die „ideale" Klassenstruktur zu planen, bevor ich überhaupt angefangen habe zu programmieren. Was mir geholfen hat: Einfach anfangen, etwas bauen, und dann schrittweise verbessern. Die Theorie macht erst Sinn, wenn du sie praktisch anwendest.
Leonhard Wachsmuth
Backend-Entwickler mit Fokus auf saubere Architektur
Gemeinsam lernen verstärkt das Verständnis
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